Geschichte des Instituts

Das Orientalische Institut der Universität Leipzig in seiner heutigen Struktur als Lehr- und Forschungseinrichtung auf dem Gebiet der Arabistik und Orientalischen Philologie blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Im Jahre 1728 wurde Johann Christian Clodius (gest. 1745) zum Professor für die arabische Sprache an der Leipziger Universität ernannt. Wenige Jahre später begründete Johann Jacob Reiske (gest. 1774) mit seinen philologischen Studien die wissenschaftliche Arabistik. Die Entwicklung der Arabistik an der Alma mater Lipsiensis ist seit dem 19. Jahrhundert untrennbar mit Heinrich Leberecht Fleischer (gest. 1888) verbunden. Seiner Feder entstammen wichtige Werke, so die Edition des Korankommentars des Baidawi. Nach dem Tode von Fleischer übernahm August Socin (gest. 1899) den Leipziger Lehrstuhl. Unter August Fischer (gest. 1949) wurde organisatorisch eine neue Etappe eingeleitet. Zum Wintersemester 1900/1901 gründete er gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Assyriologen Heinrich Zimmern (gest. 1931), das "Semitistische Institut", das sich zu einer international renommierten Einrichtung auf dem Gebiet der Philologie entwickelte.

Zeitschriften wie die "Leipziger Semitistische Studien" und "Islamica" förderten den Diskurs über Sprache und Kultur des Orients. Neben Fischer wirkten vor allem Hans Stumme (gest. 1936) und Paul Schwarz (gest. 1938) als international geachtete Hochschullehrer. Die damals gut ausgestattete Bibliothek des Instituts wurde durch die Bombardierung der Stadt Leipzig am 4. Dezember 1943 fast vollständig zerstört.* Nach dem 2. Weltkrieg bemühte sich insbesondere Hans-Siegfried Schuster (gest. 2002), die Lehre am Orientalischen Institut wieder aufzunehmen. Es gelang ihm, aus verschiedenen Nachlässen eine beachtliche Bibliothek zusammenzustellen, die bis heute das Rückgrat der Institutsbibliothek bildet. Nach seinem Weggang aus Leipzig prägten vor allem Wolfgang Reuschel (gest. 1991) und Günter Krahl (gest. 1992) die Lehre und Forschung auf dem Gebiet der arabischen Philologie.

Dem internationalen Trend zu "area studies" sollte mit der Schaffung des Lehr- und Forschungsbereiches "Arabische Staaten bzw. Nordafrika/Nahost" der Sektion Afrika- und Nahostwissenschaften ab 1968 – innerhalb der vorgegebenen Grenzen – gefolgt werden. Besonders Lothar Rathmann regte die interdisziplinäre wissenschaftliche Beschäftigung mit der arabischen Welt an.

Seit dem Sommersemester 1994 befindet sich das Orientalische Institut als Teil der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften als selbstständiges Institut in der Schillerstraße 6. Es bietet interessierten Studierenden die Möglichkeit, den BA-Studiengang Arabistik und Orientalische Philologie, den MA-Studiengang Arabistik und Orientalische Philologie, den (durch die Studienreform auslaufenden) Magisterstudiengang Arabistik und Orientalische Philologie im Haupt- und Nebenfach sowie den MA-Studiengang Konferenzdolmetschen (Arabisch) aufzunehmen. Die Studierenden können schwerpunktmäßig aus vier Bereichen wählen: Kultur und Geschichte des Vorderen Orients, Arabische Sprach- und Übersetzungswissenschaft, Islamisches Recht sowie Wirtschaft und Sozialgeographie des Vorderen Orients.

Hans-Georg Ebert

 

* Vgl. statt aller Preißler, H., "Arabistik in Leipzig vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts", in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Leipzig, Ges.- und Sprachwiss. R., Leipzig 28 (1979) 1, S. 28-105.

letzte Änderung: 05. Mai 2011