Albert Socin

Nach dem Tode August Leberecht Fleischers im Jahre 1888 wurde neben seinem treuesten Schüler, H. Thorbecke (1837–1890) auch Albert Socin (1844–1899), der Sproß einer alten Baseler Kaufmannsfamilie, für die Wiederbesetzung des nunmehr vakanten Lehrstuhls an der Leipziger Universität vorgeschlagen. Socin nahm an und hielt am 23. 07. 1890 seine Antrittsvorlesung.

"Forscher-Kollegen" aus anderen europäischen Staaten wie Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden, besaßen und nutzten seit ca. Ende des 19. Jahrhunderts schon rege die Möglichkeiten, in Regionen des Vorderen Orients zu reisen. Ihre Forschungen wurden durch vielfältige Ergebnisse belohnt: Manuskripte aus privaten Bibliotheken, Zeugnisse arabischer Buchkunst, Abhandlungen zu Dialekten bzw. wenig bekannten Sprachen und u. a. zur Bevölkerung und Wirtschaft der Region.

1868–1870 hielt sich Socin gemeinsam mit seinem Studienfreund Eugen Prym (1843–1913) im Nahen Osten auf. Als Alttestamentler galt seine besondere Liebe der Region Palästina, über die er nach einer zweiten Orientreise im Jahre 1873 einen "Baedeker" verfaßte.

Er war seit 1876 in Tübingen ordentlicher Professor der semitischen Sprachen, kam 1890 nach Leipzig (studierte hier bereits 1865–1867 bei Fleischer, Krehl und Brockhaus), hatte in Leipzig Fleischers Lehrstuhl inne und hielt hier Lehrveranstaltungen in den wichtigsten semitischen Sprachen und in den islamischen Hauptsprachen. Besonders am Herzen lagen ihm neben seinen noch heute bedeutsamen Veröffentlichungen zum Neuaramäischen und Kurdischen die Arbeiten zum zeitgenössischen Arabisch und seinen Dialekten.

1885 verfaßte er für die porta linguarum orientalum eine arabische Grammatik. Bereits im Wintersemester 1885/86 lehrte Krehl nach ihr die Anfänge des Arabischen.

Sein Schüler Hans Stumme veröffentlichte postum den noch von Socin vorbereiteten "Diwan aus Centralarabien" (Leipzig 1900–1901.)
( vgl.: Preißler, H. . Arabistik in Leipzig - vom 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In "Progressive Traditionen der Orientalistik in Leipzig", Wissenschaftliche Zeitschrift der Karl-Marx-Universität Leipzig, 28. Jahrgang (1979), Heft 1, S. 87 ff., )

Socin arbeitete als Orientalist auch zur armenischen Kirche, der ältesten Kirche in der christlichen Religionsgeschichte.

Werke u. a.:

  • Eine arabische Grammatik ließ Socin als fast druckfertiges Manuskript zurück. (Die Universitätsbibliothek Leipzig beherbergt bis in die Gegenwart noch eine Sammlung von ca. 16.000 Notizblättern aus seinem Nachlaß.)
  • Edition des Korankommentars des Baidawi
letzte Änderung: 03. Mai 2011