Heinrich Leberecht Fleischer

"Die Menschen sind ihrer Zeit ähnlicher als ihren Vätern."

Heinrich Leberecht Fleischer bezeichnen wir zu Recht als den bedeutendsten deutschen Arabisten des 19. Jahrhunderts; die Arabistik und befreundete Wissenschaften wurden unter seiner Ägide maßgeblich weiterentwickelt.

Geboren am 21. Februar 1801 im damaligen Schandau (heute Bad Schandau), Besuch des angesehenen Gymnasiums in Bautzen, dadurch wurde sein sprachliches und musisches Talent frühzeitig gefördert, kam 1818 an die Universität Leipzig zum Studium der Theologie und der orientalischen Philologie, zudem Studium der Orientalistik bei Sylvestre de Sacy und seinen Kollegen in Paris, damit auch eine gewisse Flucht aus den deutschen, den Geist beengenden Verhältnissen, 1828 Rückkehr nach Deutschland mit vielen Ideen und einem mit Offenheit, aber auch kritischer Sicht geformten Charakter.

Zuerst durchlebt er eine Lebensphase mit völlig unsicheren Existenzbedingungen, findet jedoch dann eine Anstellung an der Dresdner Kreuzschule, mit Hilfe von Freunden erhält er 1835 einen Ruf als "ordentlicher Professor der persischen Sprache an der Universität Petersburg".

Im Frühjahr 1836 erhält er endlich den Leipziger Lehrstuhl für Orientalische Philologie, den er bis zu seinem Tode im Jahre 1888 innehatte; am 13. Mai 1836 hält er seine erste Vorlesung. Seine Art zu lehren, ist lt. seines späteren Schülers Thorbecke packend und sehr überzeugend, offen und freimütig. Am Lehrstuhl widmet er sich vorzugsweise der Einführung ins Arabische, auch ins Persische und Türkische. Schwerpunkte zeichnen sich schon seit seiner Pariser Zeit ab: arabische Grammatik und Lexikografie, Koraninterpretation und die Sammlung "1001 Nacht".

Ab 1853 werden mit maßgeblicher Unterstützung Fleischers die insgesamt 487 Bände umfassenden sog. Refaiya-Handschriften für die Universitätsbibliothek Leipzig angekauft. Damit konnte die Bibliothek in die Reihe der europäischen Bibliotheken aufgenommen werden, die über eine signifikante Anzahl bedeutungsvoller orientalischer Handschriften verfügte. 1857 kam z. B. auch die Bibliothek von J. v. Hammer-Purgstall nach Leipzig.

Die Gründe, warum er vergleichsweise wenige Schriften hinterließ, sind vielschichtig: mag sein, dass er seine Kräfte nicht im Übermaß dazu verwenden wollte, zu schreiben, in dem Sinne, "dass es in der Gegenwart um vieles mehr zu Lesen als zu Schreiben gäbe", vielleicht wollte er seine Schriften auch nicht zu Zeugnissen von Selbstruhm werden lassen.

Er hinterließ u. a. 2 Handschriftenkataloge, die Editionen des Baidawi sowie in 3 Bänden gesammelte kleinere Schriften und zahlreiche Übersetzungen sowie eine große Menge an Briefen, von denen sich heute viele u. a. in der Königlichen Bibliothek Kopenhagen befinden. Selbst war er nie im Orient gewesen, unterhielt jedoch seit der Pariser Zeit viele Kontakte mit Arabern.

(Preißler, H. In memoriam Heinrich Leberecht Fleischer. In Asien, Afrika, Lateinamerika. "Orientalistische Philologie und arabische Linguistik", herausgegeben von Wolfgang Reuschel, Sonderheft 2, 1990, Akademie - Verlag Berlin 1990, S. 7 ff.)

PDF FileAuswahlbibliographie zu Heinrich Leberecht Fleischer

PDF FileFleischers Vorlesungsverzeichnis an der Universität Leipzig

PDF FileVerzeichnis der Schüler Fleischers (Einleitung)

PDF FileVerzeichnis der Schüler Fleischers (Übersicht)

PDF FileFleischers Famuli an der Universität Leipzig

PDF FileFleischers Promovenden (Einleitung)

PDF FileFleischers Promovenden (Übersicht)

letzte Änderung: 06. November 2013