Johann Jacob Reiske

In Ergänzung zu den wissenschaftlichen Aktivitäten und zu vielfältigen Arbeiten auch auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte im weiteren Sinne hat das Orientalische Institut der Universität Leipzig gemeinsam mit dem Verein zur Pflege und Förderung der Orientwissenschaften e. V. am 5. und 6. Dezember 2003 ein wissenschaftliches Kolloquium zum Leben und Wirken von Johann Jacob Reiske, des Begründers der Arabistik als souveräner Wissenschaft in Deutschland und gleichzeitig eines der ersten namhaften Gelehrten auf diesem Gebiet und dem Gebiet der Gräzistik, durchgeführt. Gelehrten wie Johann Jacob Reiske gebührt das Verdienst, der Universität Leipzig den Geist einer wahrhaften "Universitas litterarum" eingehaucht zu haben. Wichtige Aspekte seines die deutsche Orientalistik begründenden und schon von Beginn an maßgeblich prägenden, jedoch beileibe nicht adäquat honorierten und reflektierten Wirkens sollen während des Kolloquiums Betrachtung finden.

Folgender Abschnitt stammt aus einem Vortrag von Herrn PD Dr. Dr. Detlef Döring vom 12.04.1988, gehalten im Rahmen der "In Memoriam Heinrich Leberecht Fleischer"-Tagung in Leipzig:
"... Da auch aus anderen Quellen orientalische Manuskripte in die (Leipziger) Stadtbibliothek gelangten, wir wissen z. B. von einem Aufkauf einer Kiste solcher Handschriften im Jahre 1691, so kann davon ausgegangen werden, daß Anfangs des 18. Jh. 300–400 aus dem Bereich des Orient stammende Manuskripte in der Leipziger Ratsbibliothek zur Verfügung standen. Dieser Hinweis ist schon deshalb von Bedeutung, da es im Wesentlichen diese Materialien gewesen sind, die wenig später Johann Jakob Reiske während seines langjährigen Leipziger Wirkens unmittelbar zur Verfügung standen. Zu Reiske selbst besitzt die Universitätsbibliothek leider so gut wie nichts: einen Brief, dessen Verfasserschaft nicht einmal eindeutig feststeht, die Abschriften zweier arabischer Manuskripte, deren Vorlagen (wiederum Kopien) in Reiskes Besitz gewesen waren, ein längeres Schreiben seiner Frau (Ernestine Christine Reiske an einen Unbekannten vom 9.3.1779)."

Bezeichnend ist, wie er in seinem Bildungsprogramm die so genannte klassische Philologie bereits mit der orientalischen auf die gleiche Stufe stellt:

"Den übrigen Wissenschaften und dem gemeinen Wesen ist es zuträglich, dass nur wenige sich auf die alte und morgenländische Literatur legen, und zwar nur die, welche eine natürliche Neigung und Fähigkeit dazu bey sich verspüren. Diese wenige müssen, wenn sie sich sonst nicht in günstigen Glücksumständen befinden, durch Mildigkeit des gemeinen Wesens in den Stand gesetzet werden, dass sie ungekränkt und ungestört in ihrem Felde andern vorarbeiten können. ... In meinen Augen verdienen die neuern Geschichte und Sprachen in allen Betrachtungen, mehr Fleiß und Andacht an sie, als die Alten. Doch muß man diese darum nicht aus den Augen setzen ..."
(Strohmaier, G.., Johann Jacob Reiske über die Aufgaben der Arabistik. In: Asien, Afrika, Lateinamerika. "Orientalistische Philologie und arabische Linguistik", herausgegeben von Wolfgang Reuschel, Akademie-Verlag Berlin 1990, S. 24 ff.)

Wichtige Lebensdaten:

(aus: Preißler, H. "Daten zur Geschichte der arabischen Studien in Leipzig")

1733–1738

Johann Jakob Reiske studiert bei Clodius.

1738

Übersiedlung nach Leiden/Holland, Studium und Lehrverpflichtungen bei Schultens, seinem Freund und späteren Widersacher

1742–1746

zusätzlich Studium der Medizin mit Abschluss an der Universität Leiden

1746

Reiske kommt aus Holland nach Leipzig zurück.

1747

Er wird außerordentlicher Professor der arabischen Sprache.

1758

Rektor der Nikolaischule

1767

Carl August Gottlieb Keil studiert bei Reiske

1766–1767

Johann Jakob Griesbach (1745–1812) studiert bei Reiske

1768–1769

Christian Friedrich Schnurrer (1742–1822) und Johann Schweighäuser
(1742–1830) studieren bei Reiske Arabisch

1771

Reiske begegnet dem Pseudo-Emir Jusuf und besucht Lessing in Wolfenbüttel. Seit 1769 korrespondiert er mit ihm.

1772

Carsten Niebuhr besucht Reiske.

1774

Johann Jacob Reiske verstirbt

Werke:

Auf dem Gebiet der Gräzistik (Quelle: The 1911 Edition Encyclopedia)

  • Constantini Porphyrogeniti libri II. de ceremoniis aulae Byzant., vols. i' ii. (Leipzig,
    175 1–66), vol. iii. (Bonn, 1829);
  • Animadv. ad Graecos auclores (5 vols., Leipzig, 175 1–66) (the rest lies upprinted at Copenhagen);
  • Oratorum Graec. quae supersunt (8 vols, Leipzig, 1770–73);
  • App. crit. ad Demostheneni (~ vols., ib., '774–75);
  • Maximus Tyr. (ib., 1774);
  • Plularchus '(II vols., ib., 1774–79);
  • Dionys Italic. (6 vols., ib., 1774–77);
  • Libanius (4 Vols., Altenburg, 1784–97).

Vgl. auch: "D. Johann Jacob Reiskens von ihm selbst aufgesetzte Lebensbeschreibung" (Leipzig, 1783).

letzte Änderung: 03. Mai 2011