Muslime in Sachsen

Muslime in Sachsen

Muslime in Sachsen – bilden Muslime mit einem Anteil von ca. 0,48 Prozent (2015) der Gesamtbevölkerung des Freistaats überhaupt eine nennenswerte Gruppe? Entspringen sie als beachtenswerte Größe nicht einfach nur der Polemik von PEGIDA und ihren Ablegern, die Ängste und Ressentiments vor einer »Islamisierung des Abendlandes« schüren?

Als wir im April 2015 mit der Planung und Umsetzung des Buchprojekts »Muslime in Sachsen. Geschichte, Fakten, Lebenswelten« begannen, wussten wir sogleich, dass dies ein höchst ergiebiges Thema sein würde. Nicht etwa weil wir glaubten, dass Muslime eine besonders auffällige Minderheit darstellen, sondern weil Muslime hier leben und dennoch kaum beachtet werden: Nur wenige kommen mit Muslimen in Kontakt, kaum jemand weiß von den Erfahrungen, die sie machen, obwohl sich doch sehr viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen – es können historische, politische, religiöse und viele andere sein – für den Islam interessieren. Entsprechend war es ein zentrales Anliegen, nicht nur über Muslime zu sprechen, sondern vor allem mit Muslimen.

Die Beiträge in diesem Buch geben Einblicke in die Erfahrungen und  Lebenswelten von Muslimen in diesem Bundesland. Zugleich zeigen  sie, wie prekär die Situation hier für sie sein kann und wie verschiedene Formen und Aspekte von Integration, Diskriminierung, Ausgrenzung ihren religiösen, beruflichen und familiären Alltag prägen. Sie  geben auch einen Eindruck davon, was als positiv empfunden wird  und in welchen Kontexten Akzeptanz, Toleranz und Gleichheit erfahren werden. Die Beiträge zeigen wie unterschiedlich und vielfältig Identitäten und Lebenswelten von Muslimen in Sachsen sind, die  bei Weitem nicht nur durch die Religion geprägt sind, sondern ebenso durch ihre Nationalität, ihre Migrationsbiografie, ihren sozialen  Status und ihr gesellschaftliches Umfeld. Zahlreiche Beispiele erfolgreicher Integration von Muslimen in Sachsen, also sächsischen Muslimen, zeigen Potenziale des Zusammenlebens. Dennoch, in einem  Bundesland, in dem Muslime eine kleine Minderheit sind, ist noch  viel Integrations- und Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Das Buchprojekt wurde mehrheitlich von Studierenden der Arabistik, von Doktoranden, Mitarbeitern und Professoren des Orientalischen Instituts der Universität Leipzig gestaltet. Auch Studierende bzw. ehemalige Studierende der Ethnologie und Religionswissenschaft trugen dazu bei. Als externer Experte wirkte Holger Schuckelt, Orientarchäologe und Oberkonservator an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, mit. Sie alle arbeiteten und recherchierten mit großer Begeisterung und ließen ihre durch Studium, Beruf und ehrenamtliches Engagement erworbenen Kompetenzen in das Buch einfließen.

letzte Änderung: 11. Juli 2019